Geschichten & Gedichte

Makaila und der Wald der Erkenntnis

Ein Märchen über die HUNA-Prinzipien. Geschrieben im Rahmen meiner Ausbildung zum HUNA-Coach.

Es war einmal in einer verborgenen Welt eine tapfere, junge Frau namens Makaila. Der Name Makaila steht für „den Weg des Lebens“ und den Glauben an die eigene Reise und deren Bedeutsamkeit. In dieser Welt, in der sie lebte, waren Magie, Geister und Fabelwesen genauso Teil der Wirklichkeit wie das Alltägliche und Erklärbare.

Makaila hatte das Herz einer Kämpferin, jedoch auch eine Feinheit und Zerbrechlichkeit in ihrer Seele, die sie schon vor eine Vielzahl von Prüfungen in ihrem Leben gestellt hat.

Eines Tages brach sie auf zu einer Reise in einen Wald. Dieser Wald sollte die verborgenen HUNA-Prinzipien lehren und tiefe Erkenntnisse über das Leben, unser Miteinander und Heilung geben. Frohen Mutes, aber auch mit Respekt brach sie auf, leicht bepackt, sodass sie eine gute Zeit dort auskommen würde.

Sie war erst ein kurzes Stück in den Wald hineingegangen und gleich spürte sie, dass sie an einem völlig neuen Ort war. Etwas war anders, obwohl sie doch gerade erst in den Wald gekommen war. Neugierig folgte sie in diesem lebendigen, bewachsenen Wald den Wegen und stieß kurze Zeit später plötzlich auf einen großen Tempel. Sie hatte schon davon gehört. Es hieß, es gebe einen Tempel der 1000 Wahrheiten. Suchende, die vor ihr da waren, hatte dieser Tempel schon sehr verwirrt, aber andere auch nahezu erleuchtet hinterlassen.

In großen, prachtvollen Buchstaben stand IKE über dem Eingang dieses Tempels. Daneben stand eine kleine Aufschrift, die sie fast übersehen hätte, mit den Worten „Achte darauf, woran du glaubst, es könnte wahr werden“. Makaila war etwas verwundert, ob dies eher eine Einladung oder doch eine Warnung sein sollte. Und so trat sie vorsichtig und respektvoll in den Tempel hinein. Es lag etwas Düsteres wie auch Geheimnisvolles in der Luft.

Schritt für Schritt tastete sie sich vor, bis sie plötzlich Geräusche hörte und plötzlich ein Drache vor ihren Augen erschien. Makaila spürte ihre schärfer werdenden Sinne sowie ihr kämpferisches Herz pulsieren und brachte sich in Angriffsposition, bereit, diese Prüfung zu bestehen. Der Drache und Makaila begannen zu kämpfen, beide wussten sie ihre Waffen einzusetzen. Makaila, die von beiden deutlich wendiger und zierlicher war, versteckte sich hinter einem Brunnen, um durchzuschnaufen und sich zu sammeln.

Sie nahm ein paar tiefe Atemzüge, einatmend durch die Stirn und ausatmend durch den Bauch, wie ihr ein alter Lehrer mit dem Spitznamen Piko Piko einmal beigebracht hatte. Sie kam stärker zu Sinnen und erinnerte sich plötzlich: „Achte, woran du glaubst, es könnte wahr werden“, erinnerte Makaila sich, und mit einem Mal wurde ihr klarer: Vielleicht ist dieser Drache gar nicht böse und will mit ihr kämpfen, sondern reagierte bloß auf ihre Vorsicht und ihre Bereitschaft zu kämpfen. Nun ließ sie den Gedanken zu, dass dieser Drache freundlich und ihr wohlgesonnen ist, vielleicht sogar so ängstlich wie sie selbst. Makaila trat aus dem Versteck hervor, mit tiefen Atemzügen und einer freundlichen Präsenz. Der Drache schien doch tatsächlich ebenso zurückhaltender und ihr anders zugewandt zu sein.

Wo Makaila vorher noch feuerrote Augen des Drachen sah, erkannte sie jetzt große, erwartungsvolle Augen, die ihre Neugier und Achtsamkeit widerspiegelten. Und sie erkannte ebenso die Verletzlichkeit tief in den Augen des Drachen und in ihr selbst. Sie kam ihm immer näher, bis sie ihn schließlich sanft berührte. So wurde aus einem Feind ein Freund, der gar nicht so anders war als sie. Sie nahmen ein paar tiefe, ruhige Atemzüge zusammen. Mit Stille und Dankbarkeit verabschiedete sie sich von dem Drachen, einem neuen Freund, den sie stets in ihrem Herzen mittragen würde.

Langsam und besonnen trat sie aus dem IKE-Tempel hinaus, immer noch ein klein wenig überwältigt von dieser Erfahrung. So beschloss sie, ihren Weg in diesem geheimnisvollen Wald fortzusetzen.

Während sie weiter durch den Wald schlenderte, mit frischen Augen die Natur betrachtete, wurde es langsam dunkler und kühler. Von Häusern, Menschen oder Schutzhütten war keine Spur, nur die Natur in ihren verschiedensten Formen.

Sie hatte keine Angst davor, im Dunkeln im Wald zu übernachten, sie wusste, wie sie zurechtkommt, dennoch wäre ein Unterschlupf gar nicht schlecht, dachte sie sich. Da der Himmel bedeckt war, konnte ein sternenklarer Himmel ihr auch nicht mehr den Weg weisen in dieser Nacht. Die Pfade waren inzwischen immer schwieriger zu erkennen und schließlich wurde ihr doch ein klein wenig bange um die anstehende Nacht. „Achte, woran du glaubst …“, murmelte sie wieder vor sich hin. Und so entschloss sie sich, daran zu glauben, dass ihr etwas den Weg durch diese Nacht weisen würde. Es wurde dunkler und dunkler, jedoch ihre Gedanken klarer und klarer, so einprägsam war doch ihre Erfahrung mit dem Drachen. Inmitten der Dunkelheit erkannte sie plötzlich ein kleines Leuchten, dem sie weiter folgte.

Und ist es denn wahr, fragte sie sich, befand sie sich doch plötzlich in einem Meer aus Glühwürmchen in dieser milden Sommernacht. Makaila war ganz erfasst von diesem zauberhaften Moment, berührten diese vielen Glühwürmchen doch ihre feine Seele. Je mehr sie in diesem Moment versank, desto mehr schien sie durch das Muster der vielen kleinen Leuchten einen Weg zu erkennen, zumindest glaubte sie das. Nach einiger Zeit führte dieser Weg zu einer kleinen Hütte, auf der sie die Aufschrift MAKIA erkennen konnte und die Worte „Die Energie folgt deinem Fokus“. Sie erkannte in dieser Hütte eine Feuerschale sowie etwas Holz, genug, um ihr eine warme, geschützte Nacht zu ermöglichen.

Makaila brach auf, um weitere Erkenntnisse in diesem so vielseitigen Wald zu sammeln. Sie folgte den dicht bewachsenen Pfaden, die schnell zu einer Lichtung führen konnten, aber ebenso im endlosen Wildwuchs der unbändigen Natur. Wenig war in diesem Wald vorhersehbar. Sie spürte nun zunehmend etwas Bedächtiges in ihrer Umgebung und erreichte als Nächstes ein kleines Dorf. Mitten in diesem Wald schien eine kleine Gemeinschaft zu leben. Doch es herrschte eine gewisse Unruhe und gleichzeitig lag eine gewisse Stille in der Luft, als sei hier etwas Dramatisches vorgefallen. Am Rande entdeckte sie ein kleines Mädchen, sitzend vor einem Brunnen. Sie wirkte traurig und nach innen gekehrt. Nicht besonders gewöhnlich für Mädchen in ihrem Alter.

Makaila erinnerte sich, was ihr einst ein Lehrer über die Grenzen und Freiheit gelehrt hatte. Dieser Lehrer hieß KALA und hatte sie gelehrt, so weise durch das Leben zu schreiten, mit dem Wissen, dass ein einziges Lächeln das Leben eines Menschen verändern kann. So wie auch das Lächeln eines anderen Menschen ihr Leben verändern konnte. Es kann uns an die Freundlichkeit und Leichtigkeit des Lebens erinnern sowie an eine Entscheidung, die wir schon lange treffen wollten, und dem Leben eine neue Richtung geben. Es gibt folglich keine Grenzen, was passieren kann und möglich ist.

Und so näherte sich Makaila mit freundlichen und sanften Schritten dem Mädchen und setzte sich in Stille neben sie. Makaila bemerkte, wie dem Mädchen eine Träne von der Wange kullerte und auf ein Bild lief, das sie in den Händen hielt. Auf dem Bild war ein Junge zu sehen, vielleicht ihr Bruder oder ein Freund.

Makaila brach das Schweigen: „Es ist in Ordnung zu weinen. In den Tränen liegt eine Kraft, die unsere Menschlichkeit zeigt und uns in Liebe verbinden lässt.“ Das kleine Mädchen fand Trost durch die Worte und vor allem die liebevolle Präsenz von Makaila. Das kleine Mädchen öffnete sich ihr und erzählte ihr, wie sie einen Freund bei einer tragischen Katastrophe im Wald verlor. Makaila erkannte, wie ihre eigene Feinheit und Verwundbarkeit es ihr erlauben, eine Brücke zu dem Herzen des Mädchens zu schlagen. Und wie diese Begegnung der Herzen die Energie der Heilung freisetzen konnte. Es würde noch dauern, bis das Herz des kleinen Mädchens heilen würde, doch von nun an würde sie die Zuversicht spüren, dass Heilung möglich ist.

Makaila fand in diesem Dorf ein Zuhause für eine Nacht und verabschiedete sich mit ihrem Namen und fragte das Mädchen nach ihrem. Sie sagte: „Ich bin ALOHA.“ Tief berührt von der Menschlichkeit dieser Begegnung verabschiedeten sie sich voneinander.

Makaila verließ diesen Ort mit der Weisheit, wie die Liebe Licht und Dunkelheit durchdringen und miteinander verbinden kann.

Mit dem neuen Tag begann Makaila auch ebenso mit frischen Augen das Leben und das vor ihr liegende Abenteuer zu sehen. Sie hatte schon am Vorabend das Rauschen eines Baches in der Nähe gehört und so folgte sie ihrer Intuition, wie das Wasser dem Bach folgt, in dem es fließt. Sie folgte nahe gelegenen Wegen dem Bach stromaufwärts entlang. Die wurzeligen Wege, Bäume und Sträucher erinnerten sie an die kleinen und großen Aufgaben des Lebens.

Makaila wanderte den ganzen Vormittag und stieß schließlich an eine Stelle, an der der Bach aus einem Teich hervorging. In den Teich floss das Wasser über einen kleinen Wasserfall verschachtelter Ebenen. Sie entdeckte, dass sie nicht allein war und jemand wohl entschied, hier und heute ebenfalls zu rasten. Es war ein junger Mann, der in ihr gleich ein wenig Nervosität und Aufregung erzeugte. Ihr weiches und zugängliches Herz war ebenso voller Sehnsucht und doch war sie vorsichtig geworden vor dem bittersüßen Geschmack der Liebe. Aber dieser junge Mann war zu interessant für sie, um dem Kontakt zu widerstehen. Der junge Mann erkannte, wie Makaila ihn beobachtete, und ging auf sie zu: „Na, welche Weisheiten hat dir dieser Wald schon mit auf den Weg gegeben?“ Sie war ein wenig eingeschüchtert von seiner kraftvollen, aber auch offenen Präsenz.

Sie erzählte ihm von IKE, dem Tempel der 1000 Wahrheiten, von den Glühwürmchen, die ihr den Weg zur MAKIA-Hütte zeigten, und der Begegnung mit dem Mädchen ALOHA. Sie spürte, dass er sie verstand, nicht nur mental, sondern auch, was diese Erfahrungen für sie im Herzen bedeuteten. Makailas Körper entspannte sich, ihre Nervosität wich einer Ruhe und Aufmerksamkeit. Makaila war natürlich ebenso neugierig, was der junge Mann erlebt hatte.

„Na gut“, fing er an, „also ich hatte gleich zu Anfang eine Begegnung mit einem Bären, der mir versichert hat, dass er nur das Beste für mich will, auch wenn es wahrscheinlich wehtun wird, damit seine Weisheit in Körper, Geist und Seele übergeht. Und im nächsten Moment griff er mich gleich an und ich sag dir, diese ungeheure Kraft eines Bären, die spürte ich bis in die Knochen. Weißt du, Makaila, ich habe durchaus gelernt zu kämpfen, aber hier ging es für mich um das nackte Überleben. Ich wich ihm aus, nutzte meine Beweglichkeit, bewegte mich zwischen und auf den Bäumen. Der Bär fragte mich inmitten unseres Gefechts, was ich denn will. Ich sagte ihm natürlich, dass ich vor allem überleben möchte.

Gleich darauf versetzte mir der Bär mit seinen Krallen eine Schnittwunde und ich entkam nur knapp Schlimmerem. Der Bär fragte weiter: ‚Und warum willst du unbedingt überleben?‘ Ich sagte darauf: ‚Na, um zu LEBEN, mein Leben zu LEBEN.‘ Der Bär entgegnete mir mit einem lauten Brüllen: ‚Zeig’s mir, ich glaube dir nicht, so wie du davonläufst. Leben zu wollen reicht nicht, du musst auch etwas dafür TUN.‘

Etwas in mir erweckte nun eine tiefere Entschlossenheit und ich begann, nicht nur zu entkommen und mich zu verteidigen, sondern auch anzugreifen. Ich sah plötzlich die Möglichkeiten, die der Wald mir bot … Lianen, Äste, verwinkelte Ecken, in denen ich meine Vorteile nutzen konnte. Doch ein Sieg gegen diese ungeheure Kraft war noch lange nicht sichtbar. Ich spürte meine Zweifel, die mich meiner eigenen winzigen Chance beraubten, gegen diesen Bären zu bestehen. Schließlich schlug er mich zu Boden, als ich unaufmerksam war.

Meine Kräfte schwanden, aber ich beschloss aufzustehen. In dieser Verzweiflung und dem Ärger entdeckte ich schließlich eine Urkraft und Entschlossenheit, die jeden Zweifel auslöschte. In diesem Moment schnappte ich mir einen massiven Ast, holte mit einer Drehung Schwung und schlug mit all meiner Entschlossenheit zurück. Tatsächlich ging der Bär das erste Mal zu Boden. Ich war einerseits selber überrascht, was mit mir geschehen war, und konnte andererseits nun eine ungewisse Ruhe spüren.

‚Gut gemacht‘, sagte der Bär zu mir. ‚In diesem Kampf ging es nicht um mich oder unseren Kampf, sondern um deine Hingabe zum Leben und der Kraft in dir selbst. Letztendlich kommt alle Macht von innen. Ich bin der MANA-Bär und meine Bestimmung ist es, dich mit dieser Kraft zu verbinden. Die meisten Menschen denken, dass sie Angst davor haben, schwach zu sein. Aber in Wirklichkeit haben sie Angst davor, stark zu sein und diese Macht nicht beherrschen zu können.‘

Meine Erschöpfung und mein Ärger wichen der Weisheit und Wahrheit dieser Erkenntnis. Er hatte recht, ebenso mit dem, was er zu Beginn sagte, dass er nur das Beste für mich will, auch wenn es wehtun wird. Es war nicht nur der Kampf mit dem Bären, Makaila, sondern auch im Inneren, mit meinen Zweifeln und Ängsten, die mich hemmten. Schließlich gab der MANA-Bär mir einige MANA-Beeren, sie haben eine starke Energie, die meiner Heilung helfen sollten.“

Makaila war ganz ergriffen von der Erfahrung und Offenheit dieses jungen Mannes, ebenso webte sich langsam für sie die Fülle an Erfahrungen in diesem Wald zu einem Bild zusammen, das die Weisheit dieses Waldes widerspiegelte. Außerdem erkannte sie die Besonderheit dieser Begegnung. Es sollte zunächst bei dieser Begegnung bleiben, doch sie vereinbarten, dass sie ihre Wege zwar zunächst getrennt fortsetzen, später jedoch den Weg zueinander wieder suchen würden, wenn es an der Zeit ist.

Sie setzte ihren Weg nun fort, einerseits auf ihrem eigenen Weg und doch in dem Wissen, dass sie nicht alleine, sondern auf einer gemeinsamen Reise mit anderen ist.